Êzîdentum

Wer sind die Êzîden?

Die Êzîden sind eine religiöse Gemeinschaft mit tiefen Wurzeln im nördlichen Mesopotamien. Ihre Religion, das Êzîdentum, ist monotheistisch, nicht missionierend und stark von mündlicher Überlieferung geprägt. Zentral ist der Glaube an Xwedê (Gott) und sieben Heilige, angeführt von Tawisî Melek, dem Pfauenengel.

Herkunft und Sprache

Die historische Heimat der Êzîden liegt in Şengal (Sinjar) im heutigen Nordirak sowie in angrenzenden Gebieten Syriens und der Türkei. Heute leben große Gemeinschaften auch in Deutschland, Schweden und Russland. Die Hauptsprache ist Kurdisch (Kurmandschî), religiöse Hymnen sind teils arabisch.

Ein Blick in die Geschichte

  • Mittelalter: Prägung der Gemeinschaft unter Scheich Adî (gest. 1162).
  • 19./20. Jh.: Osmanische Verfolgungen, erste Diaspora-Fluchten.
  • Baath-Ära: Arabisierung und Zwangsumsiedlungen im Irak.
  • 2014: IS-Genozid an der Bevölkerung von Şengal. Über 5.000 Tote, Tausende entführt. UNO anerkennt dies 2016 als Völkermord.

Gegenwart und Herausforderungen

Die Gemeinschaft steht heute vor der Aufgabe, ihre Identität zu bewahren und ihre Heimatregion wieder aufzubauen. Dazu gehören:

  • internationale Schutzmechanismen für Şengal
  • Wiederaufbau, Infrastruktur, Bildung
  • Trauma-Arbeit und Rückkehrprogramme
  • Kulturelle Bewahrung in der Diaspora (z. B. Feste wie Çarşema Sor)
  • Vertretung durch Verbände wie NAV-YEK

Was macht sie aus?

Die Êzîden bewahren eine einzigartige spirituelle Tradition mit einem starken Gemeinschaftsgefühl. Ihr ethisches Fundament betont Naturverbundenheit, Respekt und Gemeinschaft.

Die Zukunft der Êzîden wird davon abhängen, wie gut es gelingt, Sicherheit, kulturelle Kontinuität und internationale Solidarität zu vereinen.